Belgien

 

Eine Busreise nach Belgien
 Mai 2005
 
 
 
 
 
Es ging in aller Frühe, bei leichtem Regenwetter los, die Plätze im Bus wurden bezogen und nach dem ersten Hallo noch ein kleines Nickerchen gehalten. 
Nach Frankfurt kam dann endlich ein bisschen lichter Himmel zum Vorschein und an der nächsten Raststätte wurde das kalte Büffet aufgebaut.
Alle stärkten sich für die weitere Reise und die Männer bekamen dazu noch ihren Vatertagstrunk in Form einer Flasche Bier überreicht.
Auch Mona, die brave, uns begleitende Hundedame, bekam ein Wiener Würstchen.
Lange konnte man die Regenpause nicht genießen und schon ging die Fahrt weiter in Richtung Grenze.
Im Laufe des Vormittags wurden die Regenwolken aber weniger und man konnte die flache Landschaft intensiver erleben.
Weiden mit Rindern, braune, bunte und fast weiße Rinder mit kurzen Beinen.
Sehen aus der Ferne aus wie riesige Schweine, - kräftige Körper für bestes Fleisch. Auch Pferde ab und zu. Einzelne Höfe und kleine Ansiedlungen.
Die Felder sind bestellt und man kann die einzelnen Getreidesorten erahnen.
Rapsfelder setzen einzelne Farbtupfer in das saftige, frische Grün.
An den steinernen Hauswänden klettern Glyzinien hoch und Schwertlilien setzen blaue Akzente in den Gärten. Die Tulpen sind schon verblüht, lassen aber die vergangene Farbenpracht an den welken Blättern noch erkennen. Flüsse und viele kleine Wasserläufe durchziehen das Land. Fruchtbares, flaches Land.
In der Ferne Kraftwerke und Industriebauten, Strommasten durchschneiden die Felder. Liefern Energie für die Städte.
 
 
 
Gegen Mittag Ankunft in Leuven.
 
 
  
 Rathaus von Leuven
 
 Eine mittelgroße Stadt. Zeigt den Reichtum der vergangenen Jahre an herrlichen Geschäftshäusern. Ein ganz besonderes Kleinod das Rathaus (Stadthuis), man könnte es für eine Kathedrale halten.
Überall Renaissance Verzierungen, Türmchen und Giebel. Eine Pracht!
Herrliche Häuser am großen Platz! (Markt?) Viele kleine Restaurants und Bistros laden bei herrlichem Sonnenschein zu einer kleinen Pause ein.
Die Heimat der Fritten kann man nicht übersehen.
Erste zaghafte Versuche werden gewagt. Das Bier bedarf ganz besonderer Erwähnung. Wir werden später noch eine gezielte Brauereibesichtigung machen.
Dieses Getränk braucht seine speziellen Erklärungen. 
 
 
Noch eine kleine Strecke zu fahren. Brüssel erwartet uns am späten Nachmittag.
Erster Eindruck von einer großen, wunderschönen Stadt. Riesige Hochhäuser, Bürogebäude neben kleinen Jugendstil-Villen. Überall gut gepflegte Vorgärten mit kleinen Autoabstellplätzen. Blumen überall, im Garten und an den Hauswänden hochwachsend. Nebenan wieder große Mietshäuser mit riesigen Fenstern. Es fällt auf, dass die Fenster fast die ganze Raumhöhe verbrauchen.
 
 
 
Auf Gardinen wird weniger Wert gelegt, scheinen überall gleich nüchtern.
Viele Menschen in den Straßen, Menschen in unterschiedlichen Gewändern und Hautfarben. Gut angezogene Farbige in Geschäftsanzügen, dann immer mit Krawatte. Die Hauptstadt der EU zeigt ihre vielfältigen Gesichter. 
Riesig breite Ringstraßen mit viel Grün erschweren die Orientierung für Ortsfremde. Sehr hilfreich das moderne Navigationssystem im Bus.
Das Hotel ein großer, moderner, zweckmäßiger Bau. Schöne, großzügige und komfortable Zimmer. Sehr günstig in einer zentrumsnahen Seitenstraße gelegen.
Erste Eindrücke beim kurzen Rundgang, Geschäfte, groß und klein, viele Südländer die ihre kleinen Supermärkte geöffnet halten.
An einer großen, begrünten Kreuzung Boutiquen von Weltruf. Versace, Gucci, Armani und Cartier, um nur einige zu nennen. Großes Kaufhaus „Issis Galeria“ das kommt mir als Kaufhof Galeria bekannt vor.
Zum gemeinsamen Abendessen in einem mit internationalem Personal und Publikum gut besuchtem Restaurant mit Namen „Oscar“. Eine große Oscar Figur aus Goldmachee grüßt im Treppenaufgang.
 
Am nächsten Tag ausführliche Stadtbesichtigung mit der Reiseleiterin,
 erst im Bus, dann in der Innenstadt zu Fuß. Wieder riesige Hochhäuser der EU neben wunderschönen Jugendstil und Gründerzeithäusern. Ganze Häuserblocks müssen dem Moloch der EU weichen. Die unzähligen Bürogebäude fressen sich hinein in die besten Stadtlagen. Bezahlbare Wohnungen weichen neuen Verwaltungsgebäuden.
Doch zu Fuß kann man sie noch erkunden, die historische, wunderschöne Altstadt mit dem Grand Place an dem herrliche alte Gildehäuser ihre Geschichten erzählen.
Überragt von dem bemerkenswertesten gotischen Bauwerk, dem Rathaus, das Haus des Königs und das Haus der Fürsten von Brabant. Im Rathaus geben sich Hochzeitspaare die Klinke in die Hand. Historische Uniformen bei den Saaldienern.
 
Ein paar Schritte weiter das berühmte Manneken Pis, er ist gerade als
Billiardspieler bekleidet. Besitzt er doch über 700 Kleidungsstücke!
 
 
 
Beim Rundgang durch die Strasse der Fleischer und anderer Kulinarischer Schlemmereien endlich die berühmten „ Belgischen Fritten“ probiert, mit extra scharfer Soße und einem Bierchen.
Nach kurzer Pause mit dem Bus in die Außenbezirke der Stadt, vorbei an dem Palast und den Parks der Königsfamilie. Wunderschöne, lebendige Prachtbauten.
Paläste am Place Royale, ursprünglich erbaut von den Fürsten von Brabant.
Die Kirche Notre-Dame du Sablon im gotischen Stil und dazu der Park mit seinen umgebenden 48 Bronzestatuen. Sie stehen symbolisch für die typischen Brüsseler Berufe und Zünfte in der Zeit des 19. Jahrhunderts.
Das monumentale Gebäude des Justizpalastes vereint zahlreiche architektonische Stilrichtungen: griechisch, römisch, ägyptisch ...grandios !
 
 
Im Jubelpark der Triumphbogen, ein Abbild aus Paris errichtet zum 50. Jahrestag der belgischen Unabhängigkeit unter Leopold dem II.
 
 
 
Dann endlich das Wahrzeichen von Brüssel, - das Atomium. Errichtet zur Weltausstellung im Jahre 1958.
 
 
Gerade befindet es sich in einer Renovierungsphase, die Außenhaut wird mit neuen Aluminiumplatten verkleidet.
In der näheren Umgebung auch andere Gebäude, von früheren Weltausstellungen. Der Ausstellungspalast von 1935 sowie der japanische Turm und der chinesische Pavillon. Alle wunderschön in riesigen Parkanlagen integriert.
Am Nachmittag, als krönender Abschluss, eine Brauereibesichtigung.
Kein normales Bier, nein, man muss die herkömmliche Biergeschichte vergessen!
Gebraut nach uralter Tradition, nur 20x im Jahr, von Oktober bis April.
Gebraut wird ohne Hefe, angesetzt in riesigen Fässern und zur Reife gebracht in
ca. 3 Jahren. Dann auf Flaschen gezogen, große Weinflaschen, wo sich nun erst Hefe bildet. Jetzt beginnt die Flaschengärung. Dann kann man diese sog. Gueze trinken, kann es aber auch weiter lagern oder man setzt Früchte zu, lässt es noch ca. 9 Monate lagern und hat dann z. B. Kirschbier. Nachdem diese Zusätze ausgefiltert werden, ist dieses „Bier“ eigentlich mehr ein Champagner ähnliches Getränk, sehr gewöhnungsbedürftig und berauschend. Da es sehr herb-sauer schmeckt, ist auch das Zufügen von Zucker üblich.
Die Kenner sprechen ihm einen beerigen, fruchtigen und erdigen Geschmack zu, man denkt dabei eher an eine Winzerei und eine Weinprobe.
 
Der nächste Tag führt zuerst nach Brügge, eine schöne, überschaubare Stadt nahe dem Meer gelegen.
 
 
 
 
Wir spazieren auf alten bekannten Wegen in die historische Altstadt. Besuchen den alten Beginenhof, eine alte ehemalige Wohnanlage für Frauen. Das waren klosterähnliche Verbände in denen asketisch lebende Frauen ohne Klausur zusammenlebten. Arbeiteten gemeinnützig für die Bevölkerung, so
z. B. auch als Hebammen oder Krankenschwestern.
Mitten in der Stadt die Kirche, ihre wunderbaren Schätze werden von internationalem Publikum bewundert. Schulkinder werden herumgeführt und lauschen aufmerksam den Erklärungen.
Draußen herrscht reges Leben, vor allem viele Pferdekutschen transportieren ihre fröhlichen Besucher im flotten Trab durch die historische Altstadt.
 
Dann der große Platz mit dem „Provinciaalhof“, Verwaltungspalast, auch zahlreiche Zunfthäuser säumen das große Karree.
Das alte Straßenpflaster erschallt in allen Richtungen nach dem Hufgetrampel der Droschkenpferde. Lustig wehen bunte Fahnen im Wind und der vertreibt die hässlichen Regenwolken. Die Sonne hat heftig zu kämpfen.
Noch ein paar Gässchen weiter, der alte Hafen mit seinen ihn umgebenden Zunfthäusern und Kontoren.
 
Ein schöner Platz mit dem Denkmal des Malers Jan Van Eyck.
 
 
 
Natürlich kann man diese schöne Stadt nicht verlassen, ohne in einer der zahl-reichen süßen Schokoladenmanufakturen zu probieren und natürlich auch etwas für Zuhause einzukaufen.
Regenschauer begleiten uns während der Fahrt auf der Autobahn in Richtung der Universitätsstadt Gent in Flandern.
 
 
Eine schöne Stadt mit der großen, mächtigen Kathedrale St. Baaf erwartet uns.
Die Innenausstattung überrascht mit herrlichen Schnitzereien und wunderbaren Gemälden. Man sieht hinter dem Flügelaltar der Gebr. van Eyck die separaten Logen der großen Familien.
Eine Orgel wird gestimmt, in fast jeder Ecke sitzen und stehen kleine Grüppchen von Besuchern mit ihren Reiseleitern, überall Sprachengewirr.
Das berühmte Gemälde „Lamm Gottes“ kann als Kopie oder im Original betrachtet werden.
Die romanisch gotische Wasserburg Gravensteen wird gerade restauriert, kein Wasser im Graben. Aber viele Baudenkmäler wie das alte Stapelhuis, das got. Schipperhuis und die Niklaaskirche zeigen sich in aller Schönheit.
Eine alte Marktscheune als Gourmettempel überrascht mit herrlichen Schinken an der Decke. Leider lässt die knappe Zeit keine Rast zu.
Mona ist traurig, denn sie muss draußen bleiben.
Kleine Ausflugsboote auf den zahlreichen Wasserwegen, die die Stadt durchschneiden. Gesäumt von prächtigen Handelshäusern die wiederum sich gegenseitig in ihrer gotischen Pracht übertreffen.
Ganz klein und unscheinbar quetschen sie das alte Zollhaus in ihre Mitte. Man übersieht leicht seine Wichtigkeit denn auch früher wurde von den Städten jede Münze benötigt.
Vor der Kathedrale endet der Rundgang durch die Altstadt wieder und auch die Regenwolken lassen sich nicht übersehen.
Im letzten trockenen Moment den rettenden Bus erreicht und mit vielen neuen Eindrücken zur „Heimreise“ nach Brüssel.
 
Nach einem ausgiebigen Frühstück startet der Bus pünktlich zur Heimreise.
Unterwegs, bei wenig Verkehr auf der Autobahn, es ist Sonntag, es ist Muttertag, gibt es zur Feier des Tages, ein Fläschchen Sekt für die Damen. Das lässt den Abschied von Belgien nicht so schwer fallen und die Eindrücke von dem kleinen, aber schönen Land noch einmal in Gedanken vorüber ziehen.
Nach der unsichtbaren Grenze aber noch eine interessante Stadt, die ehemalige Reichsstadt Aachen zur Rast und Mittagspause.
Zum Abschluss noch ein Besuch in dem berühmten Aachener Dom. Ein Kleinod der Deutschen Geschichte mit seiner über 1000 jährigen Vergangenheit. Zeigt er sich als Krönungsort der Römisch dt. Könige mit seinem Karlsschrein von 1215.
Die gewachsene Geschichte zeigt sich in seiner vielfältigen Architektur im Wandel der vielen Jahrhunderte.
Die Unesco erklärte das Aachener Münster zum Weltkulturerbe, darauf können die Aachener auch mit Recht stolz sein.
 
Angela Täubl

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