Nordkap

 

Nordkap

oder der Weg ist das Ziel 

unsere Reise von Deutschland über Schweden, Finnland, Norwegen und zurück vom 19. bis 30. Juni 2005

 

 Am Sonntag, 19.06.2005, gegen 6 Uhr, beginnt die große Reise, bei der es kein eigentliches Ziel gibt, nur Zwischenetappen auf dem Weg in den hohen Norden. Der Weg soll uns im wahrsten Sinne des Wortes das Ziel sein. Es wird ein langer Weg werden, rund 8500 km zu Land und auf dem Wasser. Ein uns völlig unbekannter, täglich neuer Weg. Wir beginnen ihn voller Spannung und mit großen Erwartungen.

 

Die erste Etappe längs durch Deutschland bringt uns bei strahlendem Sonnenschein nach Kiel. Ankunft am Nachmittag in einer sommerlichen Stadt am Meer, voller Menschen, die begeistert ihre Kieler Woche feiern. Im Hafen unzählige kleine und größere Schiffe mit winkenden Menschen an Bord.

 

Es bleibt noch Zeit zu einem kleinen Stadtbummel. Teile der Innenstadt sind gesperrt und so lässt sich einiges von dem bunten Treiben miterleben. Dem Trubel und der Sommerhitze entfliehen kann man bei der Besichtigung einer schönen alten Backsteinkirche in der Innenstadt.

in Kiel

Die Germanica, unser Fährschiff von der Stena Line, erwartet uns um 17 Uhr, und wir beziehen mit kleinem Gepäck unsere Kabinen.

Ein großes Büfett mit all den skandinavischen Leckereien, Fische aller Art, speziell Lachs findet begeisterte Abnehmer.

Laboe, mit U Boot

 

Das wunderschöne Wetter lockt aber bald die Passagiere an Deck und bei der Fahrt durch die Kieler Bucht vorbei an Laboe klicken unaufhörlich die Fotoapparate. 

Oeresundbrücke

 

 

Der nächste Morgen beginnt mit einem großen Frühstücksbüffet und um ca. 9 Uhr legt die Fähre pünktlich in Göteborg, in Schweden an.  

 Eine 580 km lange Tagesetappe quer durch Südschweden beginnt. Vorbei an dem großen, ca. 124 m tiefen Vättersee mit vielen kleinen Booten, umsäumt von roten Sommerhäuschen. Nadelwälder mit einzelnen Birken, Wiesen und Felder, auch Golfplätze, und überall an den Böschungen wachsen Tausende von Lupinen in sämtlichen nur denkbaren Farben.

Hinter jeder Pferdekoppel könnte man Pippi Langstrumpf vermuten. Oder ob aus einem Häuschen nicht eben der Michel von Lönneberga rausschaute?

Mit all den Träumereien sind wir um 15.30 Uhr schon in Stockholm angekommen.

 

 Stockholm

Treffpunkt am Stadthuis, eine Reiseführerin erwartet uns. Erste Eindrücke von der 1,8 Mio. Metropole vom Bus aus. Die Stadt, gebaut auf Granitfelsen, ist überall von Wasser umspült und über viele Inseln verstreut. Von den 9 Mio. Schweden leben also 20 % in der Hauptstadt Stockholm, und sie leben in einer wunderschönen Stadt.

Große Einkaufstempel mit weltbekannten Filialen auf der einen Seite und gleich um die Ecke laden gemütliche Inseln mit viel Natur zum Spazierengehen ein. Junge Leute liegen auf den Wiesen, mit Büchern oder mit sich selbst beschäftigt.

 

 Stockholm, wunderschöne Altstadt

Zu Fuß erkunden wir dann auf einer kleinen Insel die Altstadt mit ihren historischen Gebäuden. Kleine verwinkelte Gassen wie an der Riviera; auch die Farben der alten Häuser strahlen in der hellen Sonne einen mediterranen Charme aus. Einige Männer spielen Boule. Viele gut besuchte Bistros und Restaurants in schönen historischen Innenhöfen. Denkmäler und Statuen überall. Ein uraltes Telefonhäuschen. Vor den Palasttoren findet um 17 Uhr eine Wachablösung statt, bei der junge Offiziersanwärter im Paradeschritt ihre Gewehre präsentieren. Sehr zur Freude der vielen Fotografen.

Doch die Fahrt geht weiter, vorbei am Königspalast und an dem imposanten Grand Hotel, bis zum nahen Hafen, wo wir schon von der Amorella, dem Fährschiff der Viking Line, erwartet werden.

Nach dem Abendessen an Bord wieder eine herrliche Fahrt durch die Schären der Ostsee. Die Sonne verlässt uns nicht, und wir müssen uns zwingen zu später Stunde in unsere Kabine zu krabbeln.

Eine Stunde Zeitumstellung in Finnland, östlicher, also noch eher! Der Wecker klingelt pünktlich, denn ab 6 Uhr wartet wieder ein großes Frühstück, das uns durch einen langen Tag bringen soll. Ankunft in Turku gegen 7.45 Uhr, eine Hafenstadt wie es sicher unzählige auf der Welt gibt. Wir fahren durch Gewerbe- und Industriegebiete, und schon bald haben wir die Stadt hinter uns gelassen. Die Autobahn in Richtung Helsinki scheint mäßig befahren zu sein und man kommt gut voran. Grüne Landschaften mit Wäldern und Seen begleiten uns. Glattgeschliffene Felsen erzählen ihre Geschichte aus Jahrmillionen. Moränen und Eiszeitgletscher haben ihre Spuren hinterlassen und prägen die Natur.

Wieder unzählige Häuschen in der Landschaft, rot und gelb, mit kleinen weißen Fenstern. Die Fenster im ersten Stock geben mir Rätsel auf, wie kann man da oben stehen ? – Ich möchte zu gern mal solch ein Häuschen von innen sehen.

Der Verkehr wird dichter, Helsinki mit seinen 500 000 Einwohnern erwartet uns.

Pünktlich gegen 11 Uhr, am Rande des Senatsplatzes, trifft unsere Reiseleiterin zu uns. Sie ist eine nette Frau in mittlerem Alter, kleine Lachfältchen um Mund und Augen, in einem lustigen runden Gesicht umrahmt von glatten blonden Haaren.

Zuerst zeigt sie uns den imposanten weißen Dom, zu dem man über viele Stufen hinaufklettern muss. Innen erstrahlt das Meisterwerk von C. L. Engel in leuchtendem Weiß und Gold. Lichtdurchflutet wirkt dieser neoklassizistische Bau mit seinen vier gleichlangen Kirchenschiffen, also quadratischen Bauweise, einzigartig, fast fremd für eine Kirche. Die hellen Holzbänke runden das freundliche Bild des Domes ab. Unter dem Gebäude befindet sich ein Cafe. 

 

Wir hören auch über die Geschichte des Landes, eine bewegte Vergangenheit eines kleinen Volkes im Bemühen um seine Unabhängigkeit. Geschichten von Karl dem 12. und Zar Alexander I., dessen Denkmal auf dem Senatsplatz steht, und die Historie der bekannten Oper Zar und Zimmermann. Nebenan die Bauten der Universität und in grünen Gärten viele schöne alte Gebäude. Die russische Uspenski-Kathedrale, gerade wird sie renoviert, strahlt mit ihren vielen dunklen, aber bunten Elementen einen ganz anderen Reiz aus. Wunderschön renovierte Jugendstilhäuser aber auch ganz moderne Bauten sind zu sehen, wie das von Alvar Aalto entworfene Konzerthaus, die Finnlandia-Halle und die Olympiahalle. Vor letztgenannter steht eine Statue des legendären Langstreckenläufers Nurmi.

 

Auch die eigenartige Felsenkirche mitten in der Stadt ist ein beeindruckendes Beispiel von Architektur und Akustik. Sie wurde 1969 in einen Fels aus Granit gesprengt und dann in das 13 m tiefe Loch eingefügt.

 

Wir sehen auch den schönen Esplanade Park und das Denkmal des großen Komponisten Jean Sibelius.

Die Bucht mit der Museumsinsel Suomenlinna, auf der eine große Festung von den damals herrschenden Schweden angelegt wurde. An deren Bucht waschen Finnen ihre Teppiche, mit eigens dafür entwickelten Vorrichtungen. Am Ende haben wir noch Zeit zu einem kleinen Bummel über den bunten Markt an den Kaimauern und in die Markthallen, wo das Leben pulsiert.

Am Nachmittag geht die Fahrt weiter Richtung Norden. Während die Eindrücke von Helsinki noch nachwirken, ziehen draußen Wälder und Seen vorbei, nur noch wenige Häuser und kleine Ansiedlungen.

Dann, schon gegen Abend, erreichen wir die Stadt Jyväskylä. Das Hotel Kumulus ist schnell gefunden (unser Peter kennt sich aus!), doch beim Kofferausladen macht uns die Hitze erst einmal benommen. Das Zimmer ist sehr geräumig (nach zwei Nächten in der engen Schiffskabine), doch leider lässt sich kein Fenster öffnen.

Schnell ist man frisch geduscht und das Abendmenu ist verspeist. Dann muss die Stadt noch erkundet werden. Doch nach ein paar Schritten durch die belebte Fußgängerzone macht sich der lange Tag in den Knochen bemerkbar und der Weg geht zurück in Hotel, ins Bett. Fast Mitternacht, draußen ist es taghell, die Sonne lässt sich durch die Gardine kaum abhalten, doch auch bei Temperaturen von ca. 22 Grad siegt der Schlaf.

Ab 6.30 Uhr zum Frühstück, Koffer verladen und Abfahrt gegen 8 Uhr. Rovaniemi ist ca. 600 km entfernt.

 

 See mit kleinen Inseln

Eine lange Fahrt durch endlose grüne Landschaft. Dunkle, abgeschliffene Gesteinsformationen ragen aus grünem Wald. Wiesen und Seen, eine kleine Pause in einem Wald hinter einem Rasthaus. Überall an den Böschungen wieder Lupinen, überwiegend blau und rosa.

Der Wald wird lichter und die Birken gewinnen die Oberhand. Im Unterholz sieht man überall das blühende weiße Wollgras. Das erste Rentier wird gesichtet, als es sich ins Unterholz schlägt. Kleine Ortschaften reihen sich an die Strasse.

Dann gegen Mittag Rast in Oulu, einer Hafenstadt, die früher bedeutend war als Umschlagplatz für Holz und Teer. Heute eine moderne Universitätsstadt in der Wissenschaft und Forschung zuhause sind und ca. 125 000 Einwohner leben.

 

 Oulu

Nahe dem Hafen findet gerade ein Wochen- und Trödelmarkt statt. Die Händler kommen auch aus den neuen baltischen EU-Ländern. Es gibt viel Gestricktes und Geschnitztes, auch Obst und Gemüse, Schuhe, Porzellan, Glas und Münzen.

Bald geht die Fahrt weiter, die Bäume werden niedriger und die Landschaft offener.

 

 

An einer Kreuzung wieder Rentiere auf der Straße, sie gehen ganz gemächlich über die Straße, an der Leitplanke entlang in einen Seitenweg. Ein großes männliches und ein weibliches Tier, total zerzaust, wahrscheinlich wechseln sie gerade ihr Fell.

Gegen Nachmittag erreichen wir Rovaniemi, doch erst mal fahren wir daran vorbei. Zuerst muss man ganz offiziell und feierlich den Polarkreis überschreiten und der liegt etwas nördlich der Stadt. In seinem Umfeld hat sich das Weihnachtsmanndorf angesiedelt, das ist ein kleines Touristendorf mit vielen weihnachtlichen Souvenirs.Auch ein Postamt ist natürlich vorhanden. Dort kann man seine Weihnachtspost schreiben, und sie wird rechtzeitig zum Fest angeliefert. Viele lustige Fotomotive, auch eine Huskyfarm, der am Boden markierte Polarkreis und ein Aussichtsturm locken die Besucher. Menschen aus aller Welt sind hier zu treffen. 

Dann geht die Fahrt zurück nach Rovaniemi ins Hotel. Ein schönes Zimmer und ein herrliches Büffet erwarten uns. Ein altes renommiertes Hotel, wiederaufgebaut nach den Kriegszerstörungen, die diese Stadt sehr heimgesucht hatten. Nach dem Essen genießen wir die Annehmlichkeiten der Sauna bzw. des Schwimmbades. Zwar ziemlich kaltes Wasser, aber ein paar Runden schwimmen tut allen Muskeln und dem Körper gut. Anschließend noch ein Plauderstündchen am offenen Kamin im Schwimmbad. Wunderbar knistern und brennen die Birkenholzscheide. Man sitzt und plaudert mit Freunden. Ein kleiner Spaziergang am Ounasjoki Fluss soll den Tag abrunden.

Die Leute sind noch sehr aktiv, man rudert von einem zum anderen Ufer, baut eine kleine Theaterwelt auf, Peter Pan wird gespielt. Hunde werden ausgeführt und Boote legen ab zu einer Rentier Safari, - es ist nachts nach 23 Uhr.

Zurück im Hotel, ein Blick in eine kleine Ausstellung über die Geschichte des noblen Hotels in den 20-er Jahren, ein kleines Museum mit in den Ruinen gefundenen Küchenutensilien und alten Fotos. Doch auch die Neuzeit steht zur Verfügung. Ein Internetzugang ermöglicht uns den Blick auf die Wettervorhersage der nächsten Tage. Recht durchwachsen schaut es aus, - da gehen wir lieber schlafen. Um 2.30 Uhr beginnt es draußen zu regnen, aber es ist natürlich hell, nur etwas bewölkt.

Bei bedecktem Himmel und leichtem Nieselregen geht es gegen 8 Uhr weiter Richtung Norden. Vorbei wieder an kleinen, niedrigen Wäldern in denen jetzt häufiger Rentiere zu sehen sind. Wir sind im Land der Lappen, oder Samen wie sie eigentlich genannt werden sollten. Ab und zu kleine Siedlungen und auch Zelte von Samen, die ihre selbsthergestellten Produkte verkaufen wollen. Felle und Geweihe.  

Eingang zur Bärenhöhle

Eine Legende von einem Bären und einem Samen, die gemeinsam in der Höhle den Winter verbrachten, steckt hinter der Geschichte der Bärenhöhle. 

Hier gibt es einen richtigen kleinen Supermarkt mit allerhand Nützlichem und vielen handgearbeiteten Souvenirs aus Holz, Wolle und Fell.

Die Landschaft wird immer bizarrer. Auf einem Hochplateau in der Nähe des Inarisees wachsen kaum noch Bäume. Verwitterte Steine mit Flechten bewachsen, und der Wind bläst aus allen vier Himmelsrichtungen. Von dem gemütlichen Lokal aus kann man windgeschützt weit in die Ferne blicken. Die russische Grenze ist nicht weit, der legendäre Eismeerhafen Murmansk mit seinen atomaren U Bootschrott gerade mal 300 km entfernt. In der Ferne sieht man Berge die zu Russland gehören. Eine Herde Rentiere zieht am Horizont vorbei. Manche legen sich nieder, ob sie Wiederkäuer sind?

Dann fahren wir nordwestlicher und die Landschaft wird wieder grüner, die Sonne kommt öfter zum Vorschein. Am Porsangerfjord ein kleines Bauernhaus mit Schafen am Strand, Möwen kreischen in der Luft. Am Rand der Straße ein Silberschmied, er stammt aus Deutschland und verkauft allerhand Schmuck und Tand.

 

Eine Siberschmiede mit Cafe

 

Die Fahrt geht weiter, an abfallenden Wasserfällen vorbei erklimmen wir wieder eine Hochebene, schneebedeckte Mulden glitzern in der Sonne. Die verkrümmten kleinen Birken erzählen von harten, langen Wintern in denen sie vom Schnee niedergedrückt werden und in den kurzen Sommermonaten keine Zeit finden sich wieder gerade aufzurichten. An der westlichen Seite werden sie noch gequält vom ständigen Wind der über die Berge vom nahen Meer her weht.  Hier oben in Lappland findet man sie noch, eine unberührte Natürlichkeit und dadurch selbstbewusste Menschlichkeit.

Eine lange, schnurgerade Straße, über Buckel und Mulden endet in der Ferne am Horizont, davor eine Weggablung und Wegweiser, ein kleiner Ort, Versorgungszentrum für nah und fern, Supermarkt und Bank und, - der nicht erkennbare Grenzübergang nach Norwegen.

Die Berge werden schroffer und die Schneefelder nehmen zu. Verschobene Gesteinsformationen am Wegesrand und tiefe Schluchten tun sich auf zu Fjorden. Wieder einzelne bunte Häuschen an tiefblauen und grünen, glasklaren Seen. Wasser stürzt aus den Geröllmassen. Wir sind bald wieder unten im Tal.

Eine Fähre nach Honningsvåg wurde eingespart, ein tiefer Tunnel, 6 km lang, führt nun unter den Fjord hindurch. Noch ein paar Kurven, vorbei an einem kleinen Kraftwerk, und wir sind schon in Honningsvåg, unserem Tagesziel. Es ist ein absolut unwirklicher Ort, klein und bunt, kleine Läden und große Schiffe und Hotels.

 

Hurtigroutenschiff Kong Harold 

Unser Hotel der Rica Gruppe, von außen ein unscheinbares Holzhaus am Kai, von innen eine heimelige, gemütliche Atmosphäre. Es lebt nur in der kurzen Saison von Mai bis August. Ein geräumiges Zimmer und ein vorzügliches Büffet erwarten uns.

Frisch gestärkt und ausgeruht, nun der Höhepunkt des Tages und vielleicht auch der ganzen Reise. Gegen 20.30 Uhr fahren wir noch die letzten 30 km bis zu dem Punkt, den man Nordkap nennt. Dieser Felsen ragt ca. 350 m über den Meeresspiegel und hat die Position von 71º, 10´, 21´´N, somit die nördlichste Spitze Europas.

Eine geschmiedete Weltkugel auf einem Sockel glitzert in der schräg stehenden Sonne. Die Menschen aus aller Herren Länder erklettern den Sockel, lassen sich den Wind ins Gesicht blasen und überall klicken natürlich die Fotoapparate.

 

 

In der Nordkaphalle ein Panoramacafe, eine Ausstellung und in einem Kinosaal die Vorführung eines fantastischen 3D Filmes über das Nordkap und seine Landschaft. Die Kamera führt das Auge des Betrachters vom Flugzeug aus durch wilde Klippen und ruhige Hochebenen, um kurz darauf in die Tiefen des Meeres hinabzutauchen um die Unterwasserwelt in allen Farben zu präsentieren. Unvergesslich sind diese Augenblicke. Sie zeigen in beeindruckender Weise die Erhabenheit der Natur und lassen den Menschen im Weltgefüge wie ein Sandkorn in der Wüste erscheinen.

Hier an dieser Ecke der Welt beginnt der Mensch zu philosophieren, man spürt eine ganz besondere Atmosphäre. Verstärkt wird dieser Eindruck noch, als dann später der Wind fast nachlässt, die helle Sonne immer längere Schatten wirft und die unzähligen kleinen Steinpyramiden ihre Mineralien im Licht glitzern lassen.

Die Menschen, europäisch gemischt, prosten sich mit Sekt zu und man wartet vergebens auf den Sonnenuntergang. Es ist nur, als ob sich die Sonne am Horizont verneigt, um sich dann gleich wieder aufzurichten.  Unbemerkt von allen erscheint plötzlich eine Gruppe buddhistischer Mönche, traditionell gekleidet in Orange, mit Tüchern, Mützchen und Schals, Wollsocken oder mit nackten Füßen in Badelatschen. Die gespenstische Szene verstärkt sich, als plötzlich die Sonne mit aller Kraft auf die eiserne Erdkugel scheint und ein älterer Mönch hinaufklettert, sich der Sonne zuwendet, den Kopf und ein Bein erhebt, die Hände zusammenfügt und einige tiefe Ooohm vernehmen lässt. Er vergisst die Welt um sich herum und beginnt zu meditieren. Für mich ein unvergessliches Gefühl am Ende dieses langen Tages. 

am Nordkap trifft sich die ganze Welt

Wir sehen bei der Abfahrt gegen 0.30 Uhr noch in glasklaren Seen bis auf den Grund, Vögel fliegen durch die Luft und auch Rentiere sind auf Nahrungssuche. Wir fahren nach Honnigsvåg zurück. Ein kleines Malheur mit unserem Bus wird unserem Busfahrer leider eine schlaflose Nacht bescheren, doch wir kommen bequem mit einem anderen deutschen Bus gegen 01.00 Uhr zum Hotel zurück.

                                                        

Am nächsten Morgen haben wir zum Glück ein anderes Fortbewegungsmittel. Genau um 6.15 Uhr startet das Schiff der Hurtigroute, unsere „Kong Harald“ in Richtung Hammerfest. Das heutige Frühstück bekommen wir an Bord und beginnt um 7 Uhr.

 

Dann werden wir noch bis ca. 11.15 Uhr mit diesem Schiff durchs Eismeer fahren. Es ist ein schönes, imposantes Schiff, Mischung aus Kreuzfahrt- und Postschiff. Unterwegs laufen wir um 08.30 Uhr in Havøysund einen kleinen Hafen an, verschiedene Waren werden an Bord gebracht, einige Passagiere steigen ein und aus.

 

 

Wir genießen den Blick durch die großen Panoramafenster auf das glitzernde Meer. Die nahe Küste immer links von uns. Dann, nach einer Weile taucht vor uns eine industriell bebaute Insel auf, das Projekt ist ein ganz neu erschlossenes Erdgasvorkommen, das gerade in der letzten Bauphase ist. Baucontainer, Baufahrzeuge und einige Menschen sind auf dem steinigen Eiland zu sehen.

Wir kommen dem Festland näher, in einer Bucht erscheint eine Ansiedlung von Häusern und großen Schiffen. Fast pünktlich um 11.15 Uhr legen wir in Hammerfest an. 

Am Kai steht ein gelber Bus der Norwegischen Post, er wird uns zu unserem Tagesziel Alta bringen. Hammerfest, die nördlichste Stadt der Welt hier oben am Eismeer ist eingebettet in eine Bucht, verlaufend in einem windgeschützten Tal. Die bunten Häuser schmiegen sich an die Hänge. Manche haben sogar kleine Bäume im Garten, Blumen blühen. Es sind Tulpen und Stiefmütterchen, auch Fliedersträucher öffnen zaghaft ihre zierlichen kleinen Blütenkerzen. Wir fahren vorbei an der kleinen alten Friedhofskapelle, einer Holzkirche mit einem großen Grabfeld, das als einziges Gebäude den Krieg unbeschadet überstanden hat. Nebenan die neue evangelische Kirche von Hammerfest. Ein paar Geschäfte und Banken und reges Leben in den Straßen, es ist Mittag.

Dann am Ende des Tals noch ein paar kleine Höfe, - eigentliche Landwirtschaft ist hier nicht möglich, aber ein paar Ziegen und Rentiere laufen herum. Wir erreichen den Aussichtspunkt Salen, 86 m über dem Meer, von dem man wunderbar die ganze Bucht und die Stadt überschauen kann. Man sieht große Schiffe ein- und auslaufen, unsere „Kong Harold“ von der Hurtigrute verabschiedet sich von uns mit einem lauten Tuten.

Wir fahren ins Tal hinab, um der Hauptstraße nach Alta zu folgen. Es ist wieder eine Fahrt an einem Fluss entlang, ab und zu Angler inmitten reißender Stromschnellen und einzelne Sommerhäuschen sind durch kleine Baumgruppen zu erkennen. Es ist das Land der Norwegischen Samen. 

unser Hotel, direkt am Hafen

 

Im Laufe des Nachmittags erreichen wir Alta, ein Städtchen, langgezogen an dem Alta-Fjord, umgeben von Bergen von denen der Schnee herüberblinzelt. Hier gibt es viele Geschichten von alten Samen und ihren Göttern zu erzählen. Abgeschiedene Plätze an denen die Naturgewalten aufeinander prallen.

Unser Hotel ist wieder eines der Rica Gruppe, das Haupthaus strahlt eine wunderbare Gelassenheit und Gemütlichkeit aus. Wir wohnen jedoch alle im Gästehaus direkt am Fjord. Unser Zimmer im ersten Stock, etwas nordisch einfach, aber sehr zweckmäßig. Eine Fotoserie stellt die Bedienungsanleitung zum Öffnen des Fensters dar. Etwas umständlich, man braucht dazu eine außen hängende Leiter, aber sicher sturmerprobt. Direkt unter dem Fenster ca. 3 m steiniges Ufer aus ganz unterschiedlichen Granitplatten und Findlingen, daran schlagen die leichten Wellen des Alta Fjordes ihre Schaumkronen. Es ist windig und bewölkt, aber wunderschön. In diesem Gästehaus treffen wir Leute aus halb Europa, D/CH/NL/S und sogar ein Auto aus Ansbach steht auf dem Parkplatz.

Vor dem Abendessen noch kommt Peter mit unserem reparierter Bus und wir bekommen alle unsere Koffer. Freundliche Hotelmitarbeiter haben Kaffee für alle spendiert. So können wir frisch gestärkt und umgezogen noch einen kleinen Bummel machen. Eine Firma die Schieferplatten spaltet, ist unser erstes Ziel und über verschiedene Straßen kommen wir noch zu einem Supermarkt und einem kleinen Cafe. 

Ein paar Kinder springen auf einem Trampolin herum und rufen uns zu ob wir wohl Engländer wären ? Warum ? Weil wir so winterlich angezogen sind! Dabei haben wir nur Regenjacken an und sie springen in Sommerkleidern umher. Überhaupt muss man feststellen, dass die Nordländer offensichtlich ab Mai ihre Garderobe wechseln und sich generell für den Sommer anziehen.  In einem Garten ein Zwinger mit jungen Huskys, einige erwachsene Tiere sind hintereinander angebunden, wahrscheinlich die Rangfolge der Leithunde. Ein Mann kommt heraus und füttert sie.

 

Auch auf uns wartet das Abendessen im Restaurant, ganz gemütlich das Ambiente, und serviert wird von zwei ganz netten jungen Norwegerinnen. Natürlich Fisch. An diesem Abend gehen wir relativ bald schlafen, es ist eine herrliche, helle Nacht, direkt am Wasser, draußen tuckern um halb drei ein paar Fischerboote vorbei.

Unser Bus startet um 8.30 Uhr, vorbei an tiefen, blauen Fjorden mit kleinen Ortschaften und einzelnen Häuschen. Es geht oft lange Serpentinen hinauf und hinunter und immer wieder begegnen uns Rentiere. An den Straßenrändern stehen einzelne Zelte und kleine Hütten in denen Samen ihre selbstgemachten Sachen verkaufen. Viele Geweihe und Felle, aber auch Schnitzereien und Wollsachen.

Wieder in einem Tal kommen wir in eine größere Ansiedlung, Geschäfte und sogar eine Tankstelle. Uns erwartet eine Fähre, die die Fahrt um den Fjord um etliche Kilometer verkürzen wird. Nach einer halben Stunde sind wir auf der anderen Seite und wieder beginnt eine steile Auffahrt zu dem nächsten Pass. Schneefelder begleiten unseren Weg und die Bäume treten wieder in den Hintergrund. Es regnet ab und zu, aber auch blauer Himmel ist zu sehen. Wir fahren wieder unten, an einem Fluss entlang, etliche Wasserfälle und Stromschnellen begleiten ihn. An der Straße wieder schöne bunte Sommerhäuschen, ein bisschen Landwirtschaft, ja sogar Erdbeeren mit schwarzer Folie unterlegt, wachsen hier in den Gärten. Die Sonne hat inzwischen fast alle Wolken vertrieben.

Das Tal öffnet sich, der Fluss wird breiter und wir erreichen Tromsø. Von weitem schon sieht man die neue große Brücke die den Fluss überspannt. Und gleich daneben die berühmte Eismeerkathedrale, das moderne Wahrzeichen der Stadt, mit ihrer auffälligen Architektur und den schönen Fenstern. Als wir sie von innen besichtigen wollen, öffnen sich die Türen und heraus kommt eine große, bunte  Hochzeitsgesellschaft. Teils in farbenfrohen Trachten, teils in sommerlichen Abendkleidern. Ein frischer Westwind weht den Damen über die nackten Schultern. Wir bibbern schon beim Anblick, sie nicht, sind lustig und vergnügt.  

Unser Bus bringt uns bei wieder einsetzendem Regen schnell zum Hotel in die Innenstadt. Nach dem Abendessen machen wir einen ausgedehnten Stadtbummel. In einer großen Kirche findet gerade ein Gottesdienst mit Musik und Videoleinwand statt. In einem kleinen Park das Bronzedenkmal von Roald Amundsen. Von hier aus starteten viele Polarexpeditionen im vergangenen Jahrhundert.

 

Auch viele schöne alte Holzhäuser in denen einst reiche Kaufleute wohnten haben den Krieg unzerstört überstanden. Tromsø ist eine der wenigen Städte im Norden, die im Krieg nicht zerstört wurden. Heute gibt es in dieser jungen, sehr lebendigen Stadt zahlreiche Forschungseinrichtungen und eine Universität. Auch ein Polarmuseum und die berühmte Tromsøpalme, eine große Unkrautpflanze kann man sehen.

Der nächste Tag bringt uns durch karge, unwirkliche Landschaften. Niedrige Bäume und Sträucher versuchen dem Wind zu trotzen. Schneewechten und Wasserfälle an den steilen Hängen. Es regnet mit kurzen Unterbrechungen. Wir fahren über Brücken und an langen Wasserläufen entlang. Man kann nicht erkennen ob es sich um Flüsse oder Fjorde handelt. Die Fjorde reichen weit ins Land hinein. In der Gegend um Harstad auch immer wieder kleine Siedlungen mit sogar spärlichen Gärten. Kartoffeln und Erdbeeren versuchen in dem kurzen Sommer alle Sonnenstrahlen zum Gedeihen zu erhaschen. Man sieht viel Flieder und Stiefmütterchen, die mit ihrer genügsamen Art, den Menschen hier bunte Farbtupfer in Alltagsleben bringen.

  Eismeerkathedrale mit Hochzeitsgästen

 

 

 

Diese ganze Inselwelt nennt sich Vesterålen. Man findet hier geschliffene Kuppen und Moorgebiete, aber auch fruchtbare Ebenen und schöne Sandstrände. Der Golfstrom macht sich positiv bemerkbar. Wir fahren über unzählige Brücken und auch Mahlströme, bis wir nach Stokmarknes kommen. Hier nahm die Hurtigruten Schifffahrt ihren Anfang als Postschiffroute.

Unsere vorgesehene Fahrt in den Trollfjord müssen wir leider mit einem kleineren Schiff machen, das Postschiff ist hoffnungslos ausgebucht. So haben wir nach einigem Verhandeln das Schiff mit einer anderen Reisegruppe bequem teilen können. Es wurde noch recht gemütlich bei Kaffee und stürmischen Wellengang im Kielwasser des großen Hurtigruten Schiffes.  

Solvaer

 

Nachdem sich fast alle Passagiere an die Wellen gewöhnt hatten, kamen wir in den ruhigeren Trollfjord, wo sich herrliche Fotomotive boten. Das große Schiff vor uns begann im engen Fjord sein Wendemanöver und zeigte sich so von allen Seiten vor einer herrlichen Kulisse aus Fels und herabstürzenden Wasserfällen. Während die Hurtigrute wegen der engen Passage um eine Inselgruppe herumfahren musste, konnten wir mit unserem Fischerboot die Fahrt abkürzen und kamen noch vor der Hurtigrute in Svolvær auf den Lofoten an.

Das Hotel von der Rainbow Kette befand sich in unmittelbarer Nähe zum Hafen. Der Bus war schon da, und Peter, der Busfahrer, wartete schon am Kai mit den Zimmerschlüsseln. Das Hotel selbst, ausgebaut in einer ehemaligen Eishalle, nun aber gemütliche, große Zimmer auf zwei Etagen. Der zur Gewohnheit gewordene Stadtspaziergang nach dem Abendessen muss leider ausfallen, es regnet in Strömen und der Himmel ist voller dunkler Wolken. In der Nacht klärt es aber auf und wie gewohnt fahren nach Mitternacht wieder einige Fischerboote direkt unter dem Fenster vorbei.

Der nächste Morgen lässt die kleine Stadt erst richtig strahlen, die Regenwolken haben sich verzogen und die kleine Hauptstadt der Lofoten scheint wie frisch gewaschen. Kleine Parks umrahmt von bunten Holzhäusern mit hübschen Geschäften wären schon einen Spaziergang wert gewesen. Doch die Fahrt geht weiter, ein langer Tag liegt vor uns. Die ganze Schönheit dieser grandiosen Inselwelt.

 

 

 Hurtigroutenschiff im Trollfjord

Liebliche Täler, und schroffe, hohe Berge blinzeln durch die letzten Wolken. Wir sind schon gegen 9 Uhr in Henningsvær, ein in der Morgensonne strahlender kleiner Künstlerort. Viele Galerien und Cafes, doch die Künstler scheinen noch zu schlafen. Kleine Ferienhäuser haben noch Zimmer zu vermieten, Boote an den Holzstegen festgebunden, einige Autos stehen herum, doch Leben bringen nur einige Möwen und Dohlen in die Strassen. Sie verfolgen uns kreischend. Wir fahren weiter an hohen Felswänden vorbei, Wasserfälle stürzen herab und an den sonnengeschützten Stellen liegt Schnee. Das Land ist durchzogen von Wasserläufen und umspült von Fjorden, wobei beide nicht leicht zu unterscheiden sind. Überspannt immer von zahlreichen Brücken, oft schon von weitem zu erkennen durch ihre notwendige Höhe.

Ein kleiner Ort, von seinen Bewohnern in den 70er Jahren verlassen, strahlt heute wieder in überwiegend leuchtenden Rottönen. In den letzten 20 Jahren von einigen engagierten jungen Leuten wieder neu entdeckt und restauriert. Auch einige neue Sommerhäuser gibt es hier im Nusfjord.

 

 im Nussfjord

Ein kleines Seitental mit einer fast unvorstellbar vielfältigen Vegetation und abgerubbelten Felskuppen hinter den letzten Häusern. Ein Hund kläfft an seiner Kette.

Eine junge Künstlerin freut sich über interessierte Besucher. Sie bemalt Broschen und kleine Bilder.

Im Dorfinneren noch eine große, gelbe Lagerhalle mit dem begehrten Stockfisch.  

 Ein kleiner Tante-Emma-Laden mit vielen geheimnisvollen Schubfächern, alten Emailschildern und einer uralten Kasse lässt die Zeit um 1900 wieder aufleben. Es ist ein Ort zum Malen, was auch viele Künstler hier tun. Wie aus einem Märchenbuch.

Doch die Lofoten haben auch wunderschöne Sandbuchten mit smaragdgrünem Wasser zu bieten. Es soll Menschen geben, die sich auch hier in die kühlen Fluten stürzen. Sandbänke und kleine Felsvorsprünge laden die Seevögel zum Rasten ein. Es gibt noch viele kleine Ortschaften zu besuchen, auch eine kleine Stabkirche, aufgebaut aus den Planken eines untergegangenen Schiffes.

Die kleine Stadt Moskenes mit unzähligen Holzgestellen für den Stockfisch. Dieser wird von hier aus in alle Welt, vor allem nach Italien und Afrika verkauft. Moskenes, dieses Städtchen am Meer, überwiegend gelbe Holzhäuschen vor einer großartigen Gebirgskulisse. Die Sonne hat diesen Tag wieder zurückerobert und im Laufe des Nachmittags kommt unser Postschiff, das uns alle wieder zurück aufs Festland bringen wird.  

Unser Bus ist diesmal dabei und findet seinen Platz im riesigen Bauch des Schiffes. Eine Seereise von 3-4 Stunden auf bewegter See liegen vor uns. 

Durch den Saltenfjord laufen wir am frühen Abend den Hafen von Bodø an. Gleich an der Hauptstraße, zwischen Wasser und Stadt finden wir unser Rica Hotel. Es empfängt uns mit schönen, modernen Zimmern, unser großes Fenster wieder genau zum Wasser hin. Mächtige Handelsschiffe, Fähren, Motorjachten und natürlich Fischkutter tummeln sich vor unseren Augen.

Nach dem Abendessen wieder ein kleiner Stadtbummel, zu zwei sehenswürdigen Kirchen mit Campanile und vielen belebten Plätzen. Jugendliche vergnügen sich in einer Einkaufspassage, mit Inline Skatern und dem hier sehr beliebten Dosenbier. Kinder mit bunten Luftballons ziehen hinter ihren Müttern her. Man sieht viele junge Frauen mit kleinen Kindern. Alle sind lustig und vergnügt und genießen den langen, hellen Tag.

Bodø hat auch ein großes Luftfahrtmuseum und ist Stützpunkt der NATO mit ihrem nördlichsten Hauptquartier. Leider reicht die Zeit nicht aus, um alles zu besichtigen. Der Tag war lang und spät gehen wir schlafen. Draußen fahren wieder einige Fischkutter vorbei und im Hintergrund erhebt sich ein Berg mit zwei Gipfeln, der dem sehr vertrauten Epomeo auf Ischia verblüffend ähnlich sieht. Am Hauptgipfel halten sich einige Wolken fest, sie lassen sich von der schräg stehenden Sonne und dem Wind nicht vertreiben.

Bei der Abfahrt gegen 8.30 Uhr regnet es wieder ein bisschen, doch kaum liegt Bodø hinter uns, scheint die Sonne wieder durch die Berge.

Nach ca. 30 km ein weiteres Naturwunder. Saltstraumen, ein Sund zwischen dem  

Saltfjord und dem Skjerstadfjord, der sich unter der Brücke, die die Insel Straumen und Straumøy verbindet, als der größte Mahlstrom der Welt hindurchzwängt. Im Wechsel der Gezeiten werden jeweils etwa 400 Mio. Kubikmeter Wasser mit einer Geschwindigkeit von 30-40 km/h durch die Enge gepresst, wobei Wirbel und Strudel mit einem Durchmesser von bis zu 10 m entstehen, 

die seit jeher sehr gefährlich für Schiffe und ihre Besatzungen sind. Viele Legenden und wahre Geschichten werden darüber erzählt. Auch Edgar A. Poe hat darüber eine Novelle geschrieben. Das nahe gelegene Saltstraumen-Museum bietet umfangreiche Informationen über diese Gegend. 

Der ungebändigte Mahlstrom

Eine wieder kahler werdende Landschaft, Berge und Fjorde, überspannt von hochgewölbten Brücken. Eine kleine Stabkirche und einige kleine Orte am Weg. Die Straße, wir sind jetzt auf der E6, steigt an, vorbei an Gletscherzungen und karger Vegetation. Neben der Strasse immer wieder die Gleise der Eisenbahn. Auf der riesigen Hochebene, genannt Saltfjell, Steine und Schnee. Genauer gesagt sind es viele Schneefelder, die ihr Schmelzwasser in unzählige Wasserläufe, Tümpel und Seen einbringen. An den steilen Hängen am Rand der Hochebene scheinen Wasserfälle aus den Wolken zu fallen.

 am Polarkreis

 

Einige Autos und Busse sind unterwegs, dennoch wird das Gefühl der unendlichen Weite nicht gestört. Alles scheint so unendlich. Unendlich auch die Steine, aufgeschichtet zu vielen kleinen und großen, mystischen Steinpyramiden. Auch von mir ist nun eine kleine mit dabei.

Und in der Mitte des Plateaus wieder die Grenzlinie des Polarkreises, den wir jetzt in  südlicher Richtung überqueren. Das „Polarsirkel-Senter“ erwartet alle Besucher zu einer kurzen Rast. Auch ein kleines Restaurant und ein Supermarkt sind im Gebäude. In der Nähe auch ein Denkmal für die vielen Opfer beim Bau der Straße und Eisenbahntrasse. Es waren jugoslawische, russische und polnische Kriegsgefangene, die hier von 1942-45 für die deutsche Besatzung arbeiten mussten. Die von ihnen so genannte „Blutstraße“ wird auch im nahen Rognan in einem Museum dokumentiert. Am Ende des Saltfjells wird die Vegetation wieder grüner, ein einsamer Bahnhof und wenige Häuschen lassen auf menschliche Nähe schließen. 

Das Denkmal an der Blutstrasse

 

Unser Tagesziel ist schnell erreicht, - Mo i Rana, eine junge Industriestadt. Nach dem Krieg noch eine kleine Handelsstadt, nun reich durch Eisenerzvorkommen.

Unser Hotel Meyergården (Rica), zeugt in seinen alten Teilen noch von der legendären Familie Meyer. Um 1860 erwarb sie den Ort, hatte dort das Handelsprivileg und führte die Stadt zu Reichtum und Ansehen. Das Hotel teilweise im ehemaligen Palais der Familie, viele herrliche Möbel, Jagdtrophäen und Fotos erinnern an sie. Sehr schön auch der parkähnliche Garten mit blühendem Flieder, Tulpen und Sommerastern! Dank des kurzen Sommers blüht wieder alles auf einmal.

Die Stadt macht einen modernen, sehr einladenden, freundlichen Eindruck. Die nahe Fußgängerzone führt durch eine Unterführung bald zum nahen Fjord. Große Handelsschiffe im nahen Hafen. Eine Bronzestatue im flachen Wasser.

Am Ufer auf der einen Seite eine moderne Reihenhaussiedlung. Nebenan, auf der anderen Seite eine große, alte Lagerhalle, das alte Stadtviertel Moholmen mit kleinen, bunten Holzhäusern, liebevoll restauriert. Sie zeugen noch von dem alten Mo i Rana, ebenso wie das Naturhistorische Museum gleich nebenan.

Am nächsten Tag wieder eine längere Etappe. Wir brechen recht bald auf und noch einmal zeigt die grandiose Natur ihre Bilderbuchseiten. Berge und Seen entlang der E6. Wieder stürzen unzählige Wasserfälle von den Gipfeln herab, münden in kleine Seen und Flüsse. Die Flüsse mit Stromschnellen und reissenden Strudeln zwängen sich durch Felsgestein.

 

 In einem großen, grünen Tal das sog. “Lachsaquarium“ mit einem kleinen Museum. Eine große Lachstreppe neben der Staustufe ermöglicht es den Tieren den Weg zu ihren Laichplätzen zu finden. Hier kann man die Fische bei ihren riesigen Sprüngen beobachten, natürlich auch einige im Aquarium, doch deren Weg führt nicht mehr zu den Laichplätzen. Sie sind die Grundlage für die vielen Lachsgerichte, die im angegliederten Restaurant verspeist werden.   

  Im Laufe des Nachmittags kommen wir in immer dichter besiedeltes grünes, fruchtbares Land am Trondheimfjord. Die Straßen werden breiter, der Verkehr nimmt zu und schon ist der Randbezirk von Trondheim erreicht. Breite Strassen und ein großer Tunnel bilden den Übergang vom ländlichen in den Stadtbereich. Norwegens drittgrößte Stadt Trondheim begrüßt uns als 1000-jährige Handelsstadt, aber auch als moderne Universitätsstadt.

 

 Die Kathedrale

Die Altstadt, das alte Handelszentrum mit seiner Speicherstadt, strahlt mehr gelassene Ruhe aus; schön restaurierte Häuser neben alten, original belassenen Holzbauten. Viele Bistros und Ateliers befinden sich dort. Auch hier viele bunte Blumen, - Tulpen und Flieder, Rosen und Astern, alles blüht zur gleichen Zeit.

Aus einem Innenhof ertönt mechanisches Klopfen. Eine Frau hämmert mit einem Stein auf etwas herum, um es flach oder weich zu bekommen. Sie erzählt, dass ihre Hunde den Stockfisch gerne fressen, aber sie müsse ihn etwas bearbeiten. So verfüttere sie 10 kg am Tag. Wie viele Hunde das sein mögen? Und ob sie dann sehr durstig sind, haben wir leider nicht gefragt.  

Die alten Speicher

 

 

Am anderen Ufer des Nidelv wieder alte Backsteinbauten mit Kneipen und schönen Biergärten. Nebenan aber auch moderne Wohnhäuser mit Balkonen und großen Fenstern. Die Bewohner stellen darin ihre Schätze aus Glas und Keramik zur Schau. Auf dem Fluss herrscht reger Bootsverkehr. Größere und kleinere Yachten aktiv auf dem Wasser. Ein paar Leute der Wasserwacht machen eine Übung im Sonnenschein. Mit diesen Eindrücken beenden wir den Tag gegen Mitternacht. 

Der neue Tag bringt uns durch das berühmte Gudbrandsdal. Eine landschaftliche Schönheit, zu vergleichen mit dem Allgäu oder der Gegend um den Aachensee. Grüne Wälder und hohe Berge mit schneebedeckten Gipfeln. Es gehörte einst einer Familie, deren Name Gudbrand dafür steht.

Hier in der Nähe waren bekannte Politiker und Schriftsteller zuhause. Ibsen schrieb hier bekannte Romane. Geschichten und Legenden von unheimlichen Trollen und anderen Fabelwesen machen diese Gegend zu einer sagenhaften Märchenwelt.

Behäbig breite Partien mit Wäldern und Feldern und bunten Bauernhöfen wechseln mit unwirtlichen, düsteren Abschnitten, wo nur Fluss, Eisenbahn und Strasse Platz finden. In den bewirtschafteten Zonen sieht man Felder und Weiden mit vielen Rindern, aber leider fast keine Ziegen. Wobei der berühmte Käse aus dem Gudbrandsdal (Mysost) erwähnt werden soll, der in Norwegens Hotels jeden Tag zum Frühstücksbüfett gehört, vorzüglich schmeckt und mit einem Hobel in dünnen Scheiben abgehobelt wird. Er hat einen angenehmen Karamellgeschmack; auch seine Farbe ist die von Karamell. Originaltypisch wird er mit Knäckebrot gegessen. Hergestellt soll er aus halb Ziegen- und Kuhmilch sein. Wie gesagt, Ziegen waren nicht zu sehen. Viele Kühe und auch Schafe.

 

 Ein geschäftstüchtiger Same (Lappe) hat ein Zelt aufgeschlagen, nebenan einen Wohnwagen mit allerlei Lebensnotwendigem, in einem kleinen Laden verkauft er alles, was sich die Touristen wünschen. Vor dem als Museum hergerichteten Zelt ist ein großes Rentier angebunden, ein begehrtes Fotoobjekt. In einem kleinen Hasenstall, im Gras, sitzt eine jämmerlich miauende schwarze Perserkatze. 

 Am Weg liegt Lillehammer, einst ein unbedeutender Ort, nun durch seine großen Wintersportanlagen berühmt in aller Welt und zu einer schönen Stadt gewachsen. Die große Sprungschanze kann besichtigt werden. Es geht einfach mit einem Sessellift nach oben, wenn man nicht zu Fuß hoch laufen möchte. Es ist alles sehr mächtig und im Moment nicht mit Schnee vorstellbar, die Mittagssonne scheint mit allen verfügbaren Strahlen.

 

Eine lustige Reisegesellschaft von Japanern, sie zücken ihre Digitalkameras, spannen Schirme als Sonnenschutz auf und springen regelrecht in Position, um kichernd und hurtig aufs Bild zu kommen. Eine Gruppe Italiener geht die Sache eher gemächlich an. Doch alle möchten ein Bild mit der großen Schanze im Hintergrund.

Die schöne alte Stabkirche Ringebu, aus dem 13. Jh., umgeben von einem kleinen Friedhof, sehen wir etwas abseits der Hauptstrasse. 

 

Zurück auf der E6 geht die Fahrt weiter in Richtung Oslo. Der Verkehr nimmt zu, die Hauptstadt rückt näher und die Straßen werden zu mautpflichtigen Autobahnen. Wir fahren über Brücken und durch lange Tunnels und sind schon in der Innenstadt,

in der Nähe des Hafens. Das große rote Radhuset liegt vor uns und schon ein paar Ecken weiter unser Hotel von Rica. Es ist ein älteres Haus, wird gerade renoviert, gegenüber ein riesiger Komplex von Shell, der auch gerade generalsaniert wird. Man sieht hier in Norwegen den Reichtum den das Erdöl bringt.

Nach dem Abendessen machen wir uns wieder auf den Weg die Stadt zu erkunden. Nur wenige Schritte sind es zum Schloss, wo die königliche Garde gerade die Wachablösung vollzieht. Vor dem Schloss ein großer Platz zum marschieren und repräsentieren, anschließend die Karl Johans gate, die Shopping Meile der Osloer. Neben dieser Hauptschlagader das Nationaltheater und auch die Markthallen, die Basarene. In der Nähe das Arbeitszimmer des Dramatikers Henrik Ibsen, das noch original erhalten und jetzt ein kleines Museum ist.

Auf der anderen Seite die Universität und anschließend die Nationalgalerie. Hier können unzählige Werke der norwegischen Malerei begutachtet werden. Die berühmten Bilder von Munch sind (falls nicht gerade abhanden) hier auch zu sehen.  

Der Weg zu Hafen führt vorbei am Rathaus und an großen Skulpturen, die überwiegend Frauenkörper und Kinder darstellen. Am Kai herrscht wieder geselliges Leben, viele Yachten liegen hier im Hafen, Musik ertönt und es wird überall gefeiert.  

Am Hafen stehen lauter Nackte herum!

 

Die alte Festung auf der Ostseite des Hafens kann leider nicht mehr besichtigt werden, es ist schon nach 21 Uhr. Sie stammt aus dem 13.-14. Jh. und beinhaltet bedeutende Zeugnisse des mittelalterlichen Oslo.

Noch ein paar kleine Straßen weiter in der Altstadt, viele Bistros und Straßencafes, überall junge und junggebliebene Leute. In einer weiteren Nebenstrasse versucht sich eine junge Frau in Bauchtanz. Musikanten aus fernen Landen spielen dazu indische oder balinesische Tempelmusik. Pantomimemenschen verharren in seltsamen Verrenkungen. Sie haben sich mit silber- oder goldfarbener Bronze bemalt. Wir kommen durch eine Strasse mit Banken und Anwaltskanzleien. Viele kleine Friseurgeschäfte und Wohnungen in hübschen alten Häusern. Noch ein paar Ecken weiter und wir haben unser Hotel erreicht, eine Tasse Kaffee oder Tee in einer gemütlichen Sitzecke beschließen den Abend gegen Mitternacht. 

Das Rathaus, am Hafen

 

 

Am nächsten Morgen erwartet uns noch eine ergänzende Stadtführung durch eine nette Reiseleiterin. Wir fahren mit dem Bus noch einmal zum Schloss und Rathaus, und zur Festung, wo sie uns noch vieles zu erzählen hat. Auch exklusive Häuser in schönen Wohngegenden und die Universität zeigt sie uns. Dann natürlich das Muss für jeden Oslo Besucher, - der Frogner Park.

Der Bildhauer Gustav Vigeland schuf hier ein monumentales Werk an steinernen Figuren.  Zwischen Wasser und ausgedehnten Parkanlagen immer wieder Figuren in verschiedenen Darstellungen. Am beeindruckendsten wohl die Brunnengruppe, dem ältesten Teil der Anlage, die einen Lebenszyklus darstellen. Kleine Kinder und alte Greise, Männer und Frauen unterschiedlichsten Alters.  

Auf einer kleinen Anhöhe der aus einem einzigen Steinblock gehauene 17 m hohe Monolith, der 121 in sich verschlungene menschliche Körper umfasst. Die Steinmetze waren 13 Jahre damit beschäftigt, das Gipsmodell von Vigeland in Stein umzusetzen.

Anschließend ein kleiner Ausflug nach Holmenkollen, eine bevorzugte Wohngegend am Berg mit vielen Bäumen und Grün in den Gärten. Von der Stadt führt eine kleine Bahnlinie hier hinauf. Das Ziel ist natürlich die berühmte Sprungschanze, wo viele Olympische Wettbewerbe, Weltmeisterschaften und das alljährliche Holmenkollenrennen zu sehen sind. Die Schanze wurde schon 1892 erbaut und natürlich ständig modernisiert. Man kann den 62 m hohen Turm mit dem Aufzug erkunden und auch ein Skimuseum besuchen, das sich dort befindet. Herrlicher Überblick über die Stadt.

Die Museumsinsel Bygdoy ist das nächste Ziel. Das sind nicht nur weltberühmte Museen, sondern auch Grünanlagen, gute Badestrände und die Sommerresidenz des Königs. Das Wikingerschiffmuseum und das Nordische Schifffahrtmuseum, das Frammuseum und das Kon-Tiki Museum mit seinen Exponaten, um einige zu nennen. Wir kehren in die Innenstadt Oslos zurück und unsere Reiseleiterin verlässt uns. In ihrem blauen Kostüm, mit dem kleinen Hütchen, sehen wir sie ein letztes Mal um die Ecke flitzen.  

Wir haben noch etwas Zeit zur Mittagspause und zu einem letzten Stadtbummel. Die westliche Seite des Hafens ist geprägt von einem großen Büro-, Geschäfts- und Unterhaltungsviertel, genannt Aker Brygge, hier brodelt das Leben. Gerade jetzt um die Mittagszeit, viele Geschäftsleute nehmen einen kleinen Imbiss zu sich. Touristen wandern über die Holzplanken am Kai. Lebensgroße Figuren aus Bronze stehen mittendrin. Von den Booten erklingt Musik, klassisch und modern. Einzelne Paare tanzen dazu. In den Einkaufspassagen viele moderne kleine Läden, Designerläden und auch manches Alte. Hier findet man einfach alles.

Frisch gestärkt beginnen wir die letzte Etappe unserer Reise. Die Fahrt von Oslo in Richtung Schweden. Erst vor wenigen Wochen wurde die neue große Brücke, die Verbindung zwischen Norwegen und Schweden, dem Verkehr übergeben. Der  Svinesund wird von ihr großzügig überspannt und wir fahren über sie und sind schon in Schweden.

Hier in Südschweden ist das Land wieder relativ flach, mit vielen Seen durchzogen und verziert mit unzähligen bunten Sommerhäusern. Es ist schön hier, man möchten noch gerne bleiben, doch wir nähern uns wieder Göteborg und müssen Abschied nehmen.

 

 Im Hafen liegt schon unser Fährschiff von der Stena Line, es ist diesmal die Scandinavica, das Schwesterschiff der Germanica, mit der wir vor genau 2 Wochen hier in Skandinavien, in Göteborg ankamen und die Reise begannen.  

 

 

 

 

Noch einmal fahren wir durch die mächtige Oeresundbrücke hindurch. Sie ist 7845 mtr. lang und 23 mtr. breit. Sie wird täglich von 17000 Autos befahren.

  

 

Wir genießen mit allen Sinnen die letzten Stunden auf diesem großen Schiff und im hellen Morgenlicht kommen wir, an Laboe vorbei, in den Hafen von Kiel zurück.

Von dort treten mit unserem Busfahrer, Peter, der uns die zurückliegenden 14 Tage sicher auf Deutschlands und Skandinaviens Straßen chauffiert hat, die Heimreise an.

 

 

 von Angela Täubl, mit Bildern von Rudolf Täubl

  

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