Tal der Loire

 

 Frankreich
Tal der Loire

Troyes
Tours
Blois
Chambord
Cheverny
Amboise
Chateau du Clos Lucé
Chenonceau
Fontevraud
Azay-le–Rideau
Ussé
Villandry
Orleons
Reims


von Angela Täubl

 


Frankreich, im Tal der Loire, April 2005

Nach Forbach noch lichte Wälder, die Blätter beginnen sich erst zaghaft zu entfalten. Die Hügel und Täler lassen Gemütlichkeit erahnen. Kleine, bescheidene Dörfer und weite Wiesen. Der Baustil erinnert noch sehr an Landschaften in Deutschland, - Lothringen.
Viele Rinder auf den Weiden, - braune und bunte, auch fast weiße mit den seltsam kurzen Beinen. Kräftige Körper für bestes Fleisch.
Dann Rapsfelder und weites, weites Land. Nur ganz vereinzelt einige Gehöfte oder Ansammlungen von Häusern. Selten Straßen und Alleen.
Riesige Hochspannungsmasten durchschneiden die Felder und verteilen die benötigte Energie. Die Böden sind karstig und schauen nach viel Kalk aus. Es wächst sehr viel Raps und man kann große Felder von jungem Getreide erahnen.

Die erste Stadt, - Troyes.

Wunderschöne Blumenkombinationen in weiten Grünflächen. Kreisverkehr, immer wieder, aber in immer neuem Gewand, mal großzügig bepflanzt, mal bescheidener und kleiner. Häuser aus grauem Granitgestein oder aus uralten Backsteinen mit Fachwerk kombiniert.
Am Ende eines weiten Platzes die Kathedrale St. Pierre et St. Paul
mit ihren reich verzierten Fassaden im Flamboyant Stil aus dem 16. Jh., herrliche Glasfenster.

Die Altstadt, ein Stadtteil dessen Umriss einem Champagnerkorken ähnelt.
Nebenan warten alte verfallene Häuser mit ihrem morbiden Charme auf eine baldige Restaurierung. Pflasterwege werden erneuert, Gerüste aufgebaut.
Das Verwaltungsgebäude strahlt schon im neuem Glanz.

Am nächsten Tag über Sens endlich die Loire erreicht. Ein breiter, gemütlicher Strom, dem man sein Bett gelassen hat, zieht durch bewaldete Auen gemächlich dahin. Brücken mit breiten Straßen überspannen ihn. Und fast alle Straßen münden in einem Kreisverkehr. Mal mit Skulpturen bestückt, mit Blumen und sogar mit Weinstöcken hat man sie bepflanzt.

Dann die Stadt Tours,

Die Hauptstadt der Touraine mit der Kathedrale des Hl. St. Martin, auch ein großes, mächtiges Bauwerk, die ehemalige Kirchenanlage wurde nach dem Reformationskrieg geteilt und eine Straße hindurchgeführt. Heute kann man die Reste noch leicht erkennen. Noch eine große, mächtige Kathedrale gibt es zu besichtigen, sie erstrahlt nach abgeschlossener Renovierung in vollem Glanz.
Ansonsten eine schöne, alte Stadt mit Fachwerk und Renaissancehäusern. Ausgrabungen lassen auf eine bewegte Geschichte schließen.
Von Tours aus, entlang der malerischen Loire, vorbei an herrlichen Villen und Wochenendhäusern, manche direkt in den Fels gehauen, exquisite kleine Restaurants laden zum Verweilen ein. Flieder in lila und weiß, saftiges, sattes Grün und ab und zu die blauen Schwertlilien im grünen Gras. Hier lebt man wirklich wie Gott in Frankreich!

In Blois,

einem schönen kleinen Städtchen, erbaut über zwei Hügel, erwartet uns das erste berühmte Schloss. Es ist ein Kleinod der Französischen Architektur, wurde es doch über viele Jahrhunderte hinweg errichtet, so zeigt es sich in vier unterschiedlichen Stilrichtungen, Beginn im XIII. Jh. mit Gotik für das Mittelalter, anschließend Spätgotik und Renaissance, bis 1635 mit Klassizismus das Bauwerk vollendet wurde.
Eindrucksvoll erscheinen die Privaträume des Herrscherpaares, Königin Claudia, Heinrich dem III. und dessen Mätresse Diana, geschickt dargestellt mit den Initialen, das umfassende H über C und D.
Hier in Blois beginnt eigentlich die Geschichtsschreibung der französischen Herrscher und ihrer Familien. Es sind lange, spannende Geschichten voller Intrigen.

Das mächtigste aller Loire Schlösser, Chambord, erwartet uns versteckt hinter dichten Wäldern auf einer riesigen Lichtung.

Es ist grandios gebaut, mit seinen unzähligen Türmchen und Kaminen, Treppen und Terrassen lädt es zum erkunden ein. Der Wildreichtum im umgebenden Wald war eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für die Gestaltung des Anwesens und die Ausschmückung der unzähligen Räume. Kamine und später auch Kachelöfen wurden eingebaut um das Anwesen wohnlicher zu machen. Überall kleine Kammern und verwinkelte Räume, mit Kaminen hatte man noch keine Erfahrung, sie scheinen wahllos in den Räumen verteilt, der Heizeffekt dürfte gering gewesen sein, der Zug der Kamine klappte demzufolge selten.
Zum Zeitvertreib hatte man eine wunderbare doppelspindige Wendeltreppe bauen lassen, da konnte man sich verstecken und, was man derzeit gerne tat, - Fangen spielen.
Heute erkunden viele Kinder das Schloss, wie überall in Frankreich sind sehr viele Schulklassen (Ganztagsschulen) in den Historischen Gebäuden unterwegs.
So wachsen sie spielend in ihre Geschichte hinein.

Ein kleiner Ort Cheverny mit einem Schloss voller Leben, es wird bewohnt von den Besitzern, einer großen, aufgeschlossenen Familie, die gerne ihr wunderschönes Heim zeigt.

Eine Meute mit ca. 70 Beagle Hunden im angrenzenden Zwinger.
Der kleine Ort lädt ein zum Kaffeetrinken, ein Gläschen Wein aus der Touraine darf natürlich nicht fehlen. Auch eine kleine Kirche lädt zum Besuch ein.
In diesem kleinen Ort spürt man den Atem französischer Kleinstädte, einerseits provinziell, andererseits sehr kultiviert und weltoffen.

Das idyllisch gelegene Städtchen Amboise, direkt an der Loire gelegen, grüßt schon von weitem mit seinem Königsschloss hoch über der Stadt. Im 15. und 16. Jhd. erbaut, erkennt man erste italienische Einflüsse. Im weitläufigen Garten viele Pflanzen und Bäume aus dem Mittelmeerraum.

Aber ganz in der Nähe, ein Kleinod, der Park und das Schlösschen Clos Lucė, in dem das Genie Leonardo da Vinci die letzten Jahre seines langen Lebens verbringen durfte. Als Freund seines Gönners Franz I. in dessen Armen er im Schloss Amboise im Jahre 1519 starb und dort auch beigesetzt wurde.

In Clos Lucė kann man die Wohn- und Arbeitsräume sehen, ebenso sind viele seiner Erfindungen als Modelle ausgestellt. Der Park vervollständigt das Gesamtwerk des Italieners anhand wassergetriebener Modelle und der Vorstellung seines Traums vom Fliegen. Auch mit Architektur beschäftigte er sich noch, indem er die Stadt der Zukunft entwarf. Leider war diese Genie um viele Jahrhunderte seiner Zeit voraus, so dass ein Auto und ein Flugzeug noch lange auf seine Umsetzung warten musste.

Das Schloss Chenonceau liegt auch ganz hinter Bäumen in einem Park versteckt. Es ist eigentlich ein Wasserschloss, das Wasser ist diesmal nicht die Loire, sondern der Cher, ein Nebenfluss. Es ist umgeben von vielen Gräben und Terrassen mit wunderschön geografisch angelegten Gärten. Über Steinmauern erklimmen duftende Glyzinien die Dächer der Gesindehäuser die jetzt z. B. als Kassenhäuschen dienen.

Das Schloss zeigt die Handschrift der Damen die hauptsächlich im 16. Jhd. hier zuhause waren. Die Räume sind nicht überdimensional groß, sie sind wohnlich und in warmen Farbtönen eingerichtet. Eine Ausnahme, das Schlafgemach von Luise von Lothringen. Da ihr Gatte Heinrich II. bald ermordet wurde, zog sie sich in das Schloss zurück und lebte fortan in ihrer königl. Trauer als Weiße Königin in einem absolut düsteren Zimmer, versehen mit allen Trauersymbolen.
Das Schlafgemach der fünf Königinnen aber ist ein lebendiger, freundlicher Raum. Verdankt seinen Namen den zwei Töchtern und drei Schwiegertöchtern von Catherine de Mėdici. Darunter waren: Maria Stuart, Elisabeth von Österreich, Elisabeth von Frankreich und Luise von Lothringen.
Die Männer dieser Zeit fanden jeweils einen frühen Tod, durch Krankheit oder auch bei den damals üblichen Kreuzzügen.
Kleine Dörfer am Wegesrand, Häuschen aus grauem Stein, hohe Giebel mit vielen schlanken Kaminen, Kieswege in den Gärten. Dann wieder liebliche Flußauen mit alten Bäumen und immer wieder riesige Mistelkugeln in den Zweigen. Dazwischen auch Weideflächen mit den weißen Rindern.
Brücken über die Loire, mal großzügig und modern, mal schmal und eng.

Wieder ein kleiner Ort, beschaulich, französisch, man könnte hinter jeder Mauer eine Gruppe alter Männer vermuten die gemütlich ein Boule Spiel ausdiskutieren.
Im Ort liegt die Klosteranlage Fontevraud, eine im 11. Jhd. gegründete von Äbtissinnen geleitete Abtei. Vieles haben diese Mauern schon erlebt und gesehen.

Bis vor wenigen Jahren waren hier Gefangene eingesessen, die alte Kirche diente bis in die 80er Jahre als Gefängnis. Nun aber hell und freundlich, die Renovierung fast abgeschlossen. Zu besichtigen gibt es auch die uralten Küchenräume in einem mit vielen Türmchen (Kaminen) versehenem Rundbau und die Schlafnischen der Nonnen. Großzügig der Kreuzgang und die Gemälde mit den überall später eingefügten Äbtissinnen. Sehenswert auch der Klostergarten mit seinem Kräutergarten, alles neu angelegt und gepflegt.

Dann eine Fahrt zum nahe gelegenen Schloss Azay-le-Rideau, wunderbar erhalten und von weitem durch seine mit goldfarbenen Verzierungen eingefassten Dachgiebel.
Ein keiner Park umfasst die ganze Anlage und die Ausfahrt mündet in ein kleines Sträßchen in ein beschauliches Dorf.

Weiß und hell leuchtet das Märchenschloss Usse durch die hohen, alten Bäume. Es ist besser als das Dornröschenschloss bekannt. Auch dieses ist in Privatbesitz und kann besichtigt werden. Es gehört einem Arzt aus Spanien. Wir haben es von außen betrachtet und uns von der Romantik längst vergangener Zeiten einfangen lassen.

Die absolute Krönung stellen die Gartenanlagen von Schoss Villandry dar.

Auch das Schloss bietet einige Änderungen zu den vorhergehenden, lässt es doch jegliche italienischen Einflüsse und Erinnerungen an das Mittelalter vermissen. Ihm fehlen die vielen Türmchen und Pechnasen fast ganz. Machen sie doch den Weg frei für den neuen französischen Stil. Es wurde 1536 beendet und war das letzte der großen Renaissance Schlösser die an den Ufern der Loire gebaut wurden.
Der Garten in seinem jetzigen Zustand wurde erst ca. 1920 gestaltet, sein jetziger Besitzer Henri Carvallo ist um ständige Umgestaltung bemüht und es macht ihm eine Freude die Besucher an all den Schönheiten teilhaben zu lassen.
Vor kurzem wurde der Garten mit dem Laubenlabyrinth eröffnet, Kinder können sich auf dem Spielplatz vergnügen und nebenan die beiden Esel begrüßen.
Der Ziergarten mit seinen wunderbaren Anordnungen von Grün (Buchs) und den der jeweiligen Jahreszeit entsprechenden Blumen, der Gemüsegarten mit seinen in geometrischen Flächen wachsenden Gemüsesorten geht auf die Erkenntnisse des Mittelalters zurück. Angrenzend strahlt der Wassergarten eine Eleganz und Ruhe aus, so dass man gerne darin verweilen möchte und die Bahnen des einsam dahinziehenden Schwanes verfolgen möchte. Es ist eine Wonne, wenn man diesen Garten bei Sonnenschein erleben darf und anschließend in dem kleinen Gartenbistro bei einem Gläschen Wein die Geheimnisse der Anordnungen (Pflanzbilder) erkundet.

Orleans, eine wunderschöne Stadt, erstrahlt in der Vorfreude auf ein großes Fest. Überall wehen riesige Fahnen und junge Leute aus aller Welt versammeln sich zu einem Tänzchen auf dem Platz vor der Kathedrale.
Nebenan grüßt Jeanne d’Arc von ihrem Denkmalsockel. Man freut sich auf den
7. Mai, den 60. Jahrestag des Kriegsendes. Vor der Heiligkreuzkathedrale sind Tribünen aufgebaut und sogar in der Kirche hängen gewaltige Fahnen, die Orgel wird gestimmt und das Bild des neuen Papstes Benedikt ist mit riesigen Blumensträußen geschmückt.
In den Seitenstraßen reges Leben, viele kleine Lokale laden zu einer Pause ein.

Der letzte Halt in der Champagnermetropole Reims. Hier gibt es auch eine mächtige Kathedrale, Notre-Dame zu besuchen. Kirchenfenster mit Motiven von Chagall leuchten in der Sonne. Auch hier romantische Seitenstraßen, Ausgrabungen an einem Platz und einen starken Kaffee in einem kleinen Bistro mit Blick auf die auch hier gegenwärtige Jeanne d’Arc Statue.
Die Vorbereitungen für das große Fest am 7. Mai lassen die Gedanken wieder in die Gegenwart zurückkehren, und leider beginnt nun auch schon die Heimfahrt.


   

von Angela Täubl 

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